Dienstag, 15. Januar 2013

Ich war nie ein Kunstschmied, der für die ganz reichen Leute gearbeitet hat


Pressebericht über metall.be und den Geschäftsführer Stephan Laschet.

Passion für das Praktische
UNTERNEHMEN: METALL.BE BELIEFERT KUNDEN IN GANZ EUROPA

Eupen 14. Januar 2013
Zäune als Umrandung für den Gartenteich oder den Swimmingpool. Zäune in vielen Variationen. Aber immer als Steckzaun, der weder eines Betonsockels noch eineraufwendigen Montage bedarf. So kann solide Schmiedearbeit auch übers Internet verkauft werden.

Von Elli Brandt für das Genzecho die deutschsprachige Tageszeitung in Ostbelgien

Damit hat sich das Unternehmen metall.be aus Eupen einen Namen gemacht. Belieferte im vergangenen Jahr mehr als 800 Kunden. Und wurde mit dem Innovations-OST-Kar belohnt.

„Ein langer Weg von dem zur Werkstatt umgebauten Schweinestall in Walhorn zum Gewinner des Innovationspreises“, schmunzelt Firmeninhaber Stephan Laschet. Auf seinem Weg begleitet hat ihn immer sein schwarzes Notizbuch. Den ersten Eintrag machte er während seiner Militärzeit: „Ich mach‘ mich selbstständig“. Und das tat er auch. Nicht in seinem erlernten Beruf als Bauschlosser, sondern als Kunstschmied. „Die groben Sachen habe ich immer lieber gemacht. Etwas, wo man mit dem dicken Hammer draufklopft, und dann sieht das Ganze schöner aus.“

„Ich war nie ein Kunstschmied für die ganz Reichen.“

Im ehemaligen Schweinestall des elterlichen Landwirtschaftsbetriebes habe seine Selbstständigkeit tatsächlich vor rund 20 Jahren begonnen, betont Stephan Laschet. „Ich habe einen Kredit aufgenommen, Schmiedefeuer, Lufthammer, Maschinen und ein Telefon gekauft. Dann habe ich darauf gewartet, dass das Telefon klingelt. Es klingelte nicht oft“, erinnert sich der Kunstschmied, der sich eigentlich nicht als Kunstschmied sieht. „Planen, Zeichnen, jedes Tor als Einzelstückmachen – das ist nicht mein Ding. Ich habe immer davon geträumt, die Sachen zu standardisieren. Ich war nie ein Kunstschmied, der für die ganz reichen Leute gearbeitet hat.“

Halter für Blumenkästen mit Teleskopauszug und Stiefelhalter gingen in Serie. „Der Großteil der damaligen Serien liegt noch heute staubig im Schrank“, sagt Stephan Laschet. Doch er hörte nicht auf, Ideen zu produzieren und sie zu verwirklichen. Die beste Idee kam zufällig. „Wir hatten einen Hund, einen Labrador, und der sollte schon mal im Garten eingesperrt werden. Aber er zwängte sich durch die Apfelhecke immer wieder ins Freie. Also habe ich Stäbe von einem alten Treppengeländer in den Boden gesteckt.“ Der Steckzaun war geboren.

Ganz so simpel wie nur Stäbe in den Boden stecken, geht das mit dem Steckzaun nicht. Es gibt Verbindungen, die die Konstruktion halten. Dennoch ist bei der Montage weder Spezialwerkzeug noch Spezialkönnen erforderlich. Schnell wurde dem Erfinder des Steckzauns klar, wie vielfältig die Nutzungsmöglichkeiten sein können.

Nächte am Computer verbracht

Der Zaun bewahrt Kinder davor, in den Goldfischteich zu fallen. Verhindert, dass der Dackel auf die Straße rennt. Und schöner als ein Maschendraht- oder Holzlattenzaun ist er allemal. Also ab ins Internet damit, hat sich Stephan Laschet gesagt. Die Möglichkeiten des Internets hat er vor mehr als zwölf Jahren entdeckt. Doch einfach nur präsent sein, das reicht auch hier nicht. Einen Betrieb mit einem Gesicht dahinter sollte der Kunde unter www.metall.be finden.

Wieder einmal füllte Stephan Laschet etliche Seiten im schwarzen Buch mit Ideen. Verbrachte Nächte am Computer, um sie zu realisieren. „Wichtig sind die Fotos, die ich von den Kunden bekomme, und ihre Kommentare“, sagt er. Eltern von Kleinkindern oder Großeltern sind die Hauptkunden. Die meisten Bestellungen kommen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mehr als 90 Prozent der Produkte verkauft Stephan Laschet über das Internet.

Ein Krisenplan und viele neue Ideen

„Die Hände mache ich mir mittlerweile nicht mehr schmutzig“, scherzt Stephan Laschet. „Wenn ich im Betrieb mit anpacke, ziehe ich mir Handschuhe an.“ Sechs Mitarbeiter und einen Lehrling beschäftigt das Unternehmen metall.be in der Industriezone in Eupen. Der Chef ist meist vor dem Computer anzutreffen. In Arbeitskleidung. Das schwarze Notizbuch im Rucksack oder neben dem Bildschirm.

„Firmenziele und private Ziele stehen darin“, verrät er. „Und auch ein Krisenplan. Eine Superidee dazu, was ich mache, wenn sich Steckzäune nicht mehr verkaufen lassen, habe ich zwar noch nicht, aber das Buch lebt.“


Lebhaft sprühen auch die Ideen, wenn Stephan Laschet von neuen Produkten erzählt. „Einer neuen Idee geht meist ein Problem voraus“, sagt er. Und es wird deutlich, was er an seinem Beruf liebt: das Tüfteln an Lösungen, das Entwickeln von einfachen, aber praktischen und langlebigen Produkten aus geschmiedetem Stahl. Bei Zäunen macht seine Kreativität nicht Halt. Ein neues Produkt ist das Brennholzregal. „Auch zum Zusammenstecken, ganz ohne Schrauben“, sagt Stephan Laschet.

http://www.grenzecho.net/ArtikelLoad.aspx?aid=faff406f-3044-4217-a33e-ebe5ecd25851
Foto: David Hagemann